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Innovation

Entrepreneurship Award

Gründergeist trifft Unternehmen

Damit Mitarbeiter ihr unternehmerisches Denken aktivieren und weiterentwickeln, sucht Evonik jedes Jahr einen internen Entrepreneur. Als Unternehmer im Unternehmen bringt er seine Visionen voran.

Als Dr. Alessandro Dani die Bühne im Casino der Zeche Zollverein in Essen betritt, sind alle Augen auf ihn gerichtet. Vor ihm sitzen etwa 200 Mitarbeiter auf bunten Sitzhockern und warten auf seinen Vortrag. Enthusiastisch beginnt er mit seiner Rede. Sein Ziel: Er möchte die Zuhörer für die Idee „Blue Lithium“ begeistern ­– ein Verfahren, mit dem aus Alt-Batterien Lithium recycelt werden kann. Eine selektive Membran soll es ermöglichen, die Trennung von Lithium im Recyclingprozess wirtschaftlich attraktiv macht. Sein Vortrag überzeugt: Die Jury und das Publikum stimmen für die Idee. Damit ist Dani der neue Unternehmer im Unternehmen. Ein Jahr lang hat der Projektmanager nun Zeit, um „Blue Lithium“ umzusetzen. Dafür bekommt er ein eigenes, sechsstelliges Budget und wird von seiner bisherigen Tätigkeit freigestellt. Das Besondere dabei: Dani hat die Freiheit eines Startup-Gründers, trägt aber kein unternehmerisches Risiko. Die Unterstützung des Unternehmens ist ihm sicher.

Der interne Ideenwettbewerb
Das vierköpfige Team hat den Entrepreneurship-Award gewonnen und Dani ist nun der vierte Evonik-Entrepreneur. „Der Award ist ein wichtiger Teil unserer Innovationskultur“, erklärt Dr. Ulrich Küsthardt, Chief Innovation Officer. „Mit diesem Award fördern wir gezielt die Kultur, Neues zu wagen und keine Angst vor Fehlern zu haben. Schnelles Lernen, effizientes Arbeiten und die Fähigkeit, Netzwerke zu bilden, sind dabei die wichtigsten Anforderungen an unseren Entrepreneur.“

Bis in Dani ein solcher Entrepreneur gefunden wurde, musste der 31-jährige Italiener einen internen Bewerbungsprozess durchlaufen. Los ging es mit der Online-Bewerbung im Januar. Alle Mitarbeiter von Evonik durften ihre innovativen Ideen zu den Themen Ernährung, Wohnen oder Mobilität im Intranet vorstellen. Allein in diesem Jahr reichten die Beschäftigten 82 Ideen ein. Wer keine eigene Idee hatte, konnte die Vorschläge der anderen Mitarbeiter kommentieren, weiterempfehlen und sich einer Idee als Teammitglied anschließen. „Die Impulse des Teams waren während des gesamten Prozesses entscheidend. Dadurch konnten wir unser Wissen teilen, Denkanstöße bekommen und Kontakte knüpfen“, berichtet Dani. „In den Teams haben wir mit Experten aus verschiedenen Fachbereichen zusammengearbeitet. Chemiker, Finanzexperten, Marketing-Spezialisten und Mitarbeiter aus dem Bereich Supply Chain. Alle wollten uns unterstützen.“ Außerdem ermöglichte die Ideenfindung online auch den Austausch über Ländergrenzen hinweg. Aus 27 Standorten weltweit brachten die Mitarbeiter Ideen ein. 13 Ideen kamen aus China, zehn aus den USA und zehn aus Indien.

Nach der Ideensammlung filterte ein Experten-Team die vielversprechendsten Ideen heraus und lud die Ideengeber und ihre Teams in das sogenannte Bootcamp, einem dreitägigen Workshop, ein. „Das Experten-Team achtet bei der Auswahl unter anderem auf den konkreten Nutzen für den Kunden. Die Ideen müssen zur Strategie von Evonik passen“, sagt Küsthardt. „Eine Idee kann auf dem Papier noch so gut und erfolgsversprechend sein – ohne Markt und Kunden wird es keine Innovation.“

Das Bootcamp
Im Bootcamp konnten die Teams intensiv an ihrer Idee arbeiten – und sie so mit der Unterstützung von internen Coaches zu einem Geschäftsmodell entwickeln. Die Teilnehmer fokussierten ihre Ideen und deckten Schwachstellen auf, sodass ein Grundgerüst eines Geschäftsplans entstand. Konkret hieß das: Welchen Wert und Nutzen schafft das Produkt, welche Bedürfnisse werden mit dem Produkt gestillt, und welches Problem wird gelöst? „Im Bootcamp haben wir uns mit der gesamten Wertschöpfungskette auseinandergesetzt. Es war toll zu sehen, wie sich die Idee in so kurzer Zeit weiterentwickelt hat“, sagt Sabine Kuznik, die in der Strategie- und Organisationsentwicklung arbeitet und als Mitglied von „Blue Lithium“ dabei war. „Das hat uns auch als Team eng zusammengeschweißt. Wir wollten den Award gewinnen.“

Vorbilder waren die Gewinner aus den Vorjahren. Seit September 2018 arbeitet beispielsweise Dr. Matthias Lamping an „ColorPaste“, einer Zahnpasta für Kinder, die ihre Farbe zeitabhängig von weiß zu blau wechselt und die Plaquereste, die durch das Putzen nicht entfernt werden, blau einfärbt. „Ein Jahr lang Unternehmer im Unternehmen sein zu dürfen, ist für mich eine große Chance. Je tiefer wir in das Thema einsteigen, desto mehr Fachleute lernen wir kennen, die uns in unserer Persönlichkeit und auf unserem Karriereweg weiterbringen können“, sagt er. „Auch persönlich habe ich in der Zeit sehr viel gelernt.“ Seine Idee ist inzwischen so erfolgreich, dass er sie im Geschäftsgebiet Silica nun weiterverfolgt.

Für Dani fängt die Arbeit an „Blue Lithium“ mit seinem Sieg erst an. Nun muss er mit der Umsetzung überzeugen: „Ein spannendes Jahr voller Herausforderungen liegt vor mir. ‚Blue Lithium‘ ist ein tolles Projekt, das sich am Markt durchsetzen kann“, sagt er. „Wir werden Fehler machen, aber auch viel lernen können. Zum Glück ist die Unterstützung aus allen Bereichen sehr groß.“