Digitalisierung

Warum die Chemie-Industrie die Blockchain-Technologie treibt

Vertrauenswürdige Lieferbeziehungen spielen in der global vernetzen Welt eine immer wichtigere Rolle. Die Blockchain-Technologie könnte diese Lieferketten revolutionieren.

Die Geschäftswelt steht vor einer radikalen Veränderung: Wer Geschäfte machen will, musste sich im Umgang mit Geschäftspartnern bislang auf Vertrauen verlassen. Mit Blockchain wird dieses Vertrauen durch Wissen ersetzt, denn die Blockchain zeigt alle notwendigen Fakten, die die Ware, den Zahlungsverkehr oder den Transport betreffen, fälschungssicher in vollautomatisierten "Smart Contracts" an.

In der chemischen Industrie lässt sich die Blockchain zum Beispiel für die Verfolgung von verarbeiteten Chemikalien einsetzen und somit auch zur Sicherstellung der Produktqualität für die Kunden. Von den Rohstoffen über die Fertigung bis hin zum Eintreffen der Ware beim Kunden – alle Daten der Lieferkette können kontinuierlich verfolgt werden. 

Eine Blockchain (englisch für Blockkette) ist eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, sogenannten "Blöcken", die mittels kryptografischer Verfahren miteinander verkettet sind. Jeder dieser Blöcke erhälts einen kryptografisch sicheren "Hash" des vorhergehenden Blocks, einen Zeitstempel und Transaktionsdaten.  

Die chemische Industrie ist einer der wichtigsten Treiber der Blockchain-Technologie. Heinz-Günther Lux, Digitalisierungs-Experte bei Evonik erklärt, wieso: "Zum einen, weil die chemische Industrie Tracer-Technologien entwickelt, die nötig sind, um digitale Zwillinge physikalischer Objekte zu schaffen, die in der Blockchain unveränderbar gespeichert werden können." Zum anderen, weil die Chemieindustrie am Anfang vieler Lieferketten stehe und weltweit mit der gesamten produzierenden Industrie auf der Welt zu tun habe.  "Diese weltweite Vernetzung dürfte dazu führen, dass die produzierende Industrie auf allen Kontinenten die Gelegenheit nutzen und mitziehen wird, wenn die Chemieindustrie die Blockchain in ihrer Lieferkette einsetzt."

Evonik hat das Pilotprojekt "Themis" mit BASF und der Commerzbank bereits erfolgreich absolviert. Der Erfolg signalisiert auch, dass der Weg für die flächendeckende Einführung dieser Technologie grundsätzlich frei ist. "Eine revolutionäre Technologie, die unsere Wirtschaft von Grund auf verändern wird", ist sich Lux sicher. Damit die Lieferkette vollautomatisch ablaufen kann, braucht es aber nicht nur die Blockchain, sondern auch programmierbares Geld. Das geschieht im Pilotprojekt mittels digitaler Euros auf Basis von E-Geld über die cloudbasierte Blockchain-Plattform der Commerzbank.

Auch der Personalbereich wird von der Blockchain-Technologie profitieren: „Da langweilige, lästige und mühsame Standardarbeiten entfallen, eröffnen sich enorme Freiräume für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer", erläutert Bettina Uhlich. Die Selbstverwirklichung im Job lasse sich nun besser erreichen:"Denn die Blockchain schenkt viel Raum für Kreativität. Das ist eine tolle Sache für die Chemieindustrie, weil für sie Kreativität immer schon sehr wichtig war. Viele andere Industrien können nun auch davon profitieren."

Die Evonik-Experten Bettina Uhlich und Heinz-Günter Lux erklären in ihrem Buch "Blockchain - Wirtschaft im Umbruch. Warum die Chemieindustrie dabei der wichtigste Treiber ist" den disruptiven wirtschaftlichen Wandel, der mit der Blockchain-Technologie einhergeht. Anhand konkreter Beispiele aus der Chemieindustrie, die hier eine Pionierrolle einnimmt, wird gezeigt, welche grundlegenden Veränderungen sich in der Wirtschaft vollziehen.