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Silica-Werk in Charleston

Reife Leistung

Im Herbst 2018 eröffnete Evonik in Charleston (South Carolina) ein neues Werk für gefällte Kieselsäuren. Sie machen Reifen diesseits und jenseits des Atlantiks sparsamer und sicherer – Eigenschaften, die von Reifenkäufern zunehmend gefordert werden.

Wer sich in den Vereinigten Staaten umschaut, kann bestätigen: je kleiner der Ort, desto größer die Autos. In Metropolen mit knappen Parkplätzen erobern sich Kleinwagen wie der BMW Mini ihren Platz. Wer aber in das Herz der USA vordringt, sieht viele Pickups und SUV.

Der US-Wagen mit den am Abstand höchsten Verkaufszahlen ist der Ford F-150, gefolgt vom Chevrolet Silverado und vom Dodge Ram. Alle drei sind Pick-ups. Der Ford F-150 ist mehr als 1,90 Meter hoch, wiegt trotz Alu-Karosserie leer gut 2,1 Tonnen, ist 5,90 Meter lang und 2,46 Meter breit. Er ist damit länger, viel breiter und sehr viel höher als etwa eine S-Klasse von Mercedes. Und durstiger. Mercedes gibt den Durchschnittsverbrauch mit 7,3 Litern an, beim Ford sind es bei vergleichbarer PS-Leistung 11,9 Liter.

EUROPÄER ACHTEN AUF VERBRAUCH

So unterschiedlich die Fahrzeuge, so unterschiedlich sind auch die Reifen. Eine Gemeinsamkeit aber findet sich: Immer häufiger stecken Silica – gefällte Kieselsäuren – von Evonik in den Autoreifen. Doch die Gründe dafür sind westlich und östlich des Atlantiks nicht dieselben. Seit 2012 werden Reifen in der Europäischen Union entsprechend ihrem Rollwiderstand und ihrer Nasshaftung gekennzeichnet. Haupttreiber war der Gedanke, über sogenannte grüne Reifen den Energieverbrauch europaweit zu senken. Dies darf nicht zulasten der Sicherheit gehen: Dafür sollte die Kennzeichnung zur Nasshaftung sorgen.

Silica von Evonik vermögen beides: Sie senken den Verbrauch und sorgen für gute Haftung auf nassen Straßen. Die Automobilhersteller setzen ohnehin meist auf Spritsparreifen, da sie den Flottenverbrauch ihrer Fahrzeuge senken wollen. Doch auch immer mehr europäische Autofahrer achten darauf, dass beim Kauf eines neuen Reifens ein sparsames Modell montiert wird, denn die Mehrkosten amortisieren sich schnell.

US-AMERIKANER SCHÄTZEN HAFTUNG

In den USA ist der Gedankengang beim Verbraucher anders. Da Benzin günstig ist – der Liter kostet zwischen 50 und 70 Eurocent –, ist Sparsamkeit ein positiver Nebeneffekt, meist aber nicht ausschlaggebend für die Kaufentscheidung. Hier spielt die sehr gute Haftung die entscheidende Rolle. Oben erwähnter Ford F-150 ist nicht nur mehr als 2,1 Tonnen schwer, er darf auch 1,5 Tonnen zuladen und 5,5 Tonnen Anhängelast ziehen. Das Gesamtpaket wiegt also mehr als acht Tonnen – bei einem sehr hohen Schwerpunkt. Hier müssen die Reifen ebenfalls Schwerstarbeit leisten, um dieses Gewicht auf der Straße zu halten. Und auch das schaffen die Silica von Evonik.

Verschiedene Kategorien

SUV: Ein Sport Utility Vehicle ist in Deutschland ein Personenkraftwagen mit erhöhter Bodenfreiheit und einer selbsttragenden Karosserie. Das Erscheinungsbild lehnt sich an Geländewagen an, die Fahrzeuge sind aber nicht unbedingt geländegängig. Der Fahrkomfort ist ähnlich wie bei einer Limousine. In den USA werden alle komfortablen Geländewagen SUV genannt; die Bezeichnung „sports“ umfasst dort auch Angeln und Jagen. Nicht geländegängige Fahrzeuge dieser Bauart heißen „crossover SUV“ oder „soft-roaders“.

Pick-up: Ein Pick-up ist ein Pkw oder Geländewagen mit ebener, offener Ladefläche. Viele haben auch heute noch den klassischen Leiterrahmen. Die Definition dieses Fahrzeugtyps ist international unterschiedlich. In den USA werden diese Fahrzeuge auch „Pick-up Truck“ oder kurz „Truck“ genannt. Oft sind Fahrzeuge zu sehen, die eine Anhängevorrichtung auf der Ladefläche haben und damit zum Teil sehr große Anhänger ziehen.

SUV und Pick-ups nutzen sehr große und breite Reifen. Die kleinsten, die der F-150 ab Werk hat, sind 27,5 Zentimeter breit und haben einen Durchmesser von 81,5 Zentimetern. Die Größe der Reifen, das Fahrzeuggewicht, der hohe Schwerpunkt des Fahrzeugs, die Laufleistung der in den USA überwiegend genutzten Ganzjahresreifen und die Nutzung auch abseits der Straße stellen Reifen von Pick-ups und SUV vor immense Herausforderungen. Aufgrund der Reifengröße wird auch der Querschnitt des Reifens groß. Die Folge: fehlende Steifigkeit bei Kurvenfahrten, ein schwammiges Lenkgefühl, schlechter werdende Haftung auf der Straße.

Evonik löste dieses Problem durch die Entwicklung von ULTRASIL® 7800 GR. Diese gefällte Kieselsäure wurde speziell für den wachsenden Markt der SUV- und Pick-up-Reifen entwickelt. Sie verstärkt die Verbindung zwischen dem Gürtel des Reifens und dem darüberliegenden Laufstreifen und erhöht so die Steifigkeit. Der Fahrer erhält wieder das gewohnte direkte Lenkgefühl und einen erhöhten Fahrkomfort.

PHYSIK ENTSCHEIDET

Ihre besonderen Eigenschaften verdankt diese gefällte Kieselsäure von Evonik nicht ihrer Chemie – die ist bei diesen Silica stets identisch –, sondern ihrer Physik. Durch eine besonders große spezifische Oberfläche versteift sie die Gummimischung für die Lauffläche und lässt sich zudem gut verarbeiten.

Kunden von Evonik sind global aufgestellte Reifenhersteller, die jedoch für die nationalen und regionalen Märkte besondere und individuelle Ansprüche stellen. ULTRASIL® 7800 GR wird von Evonik an mehreren Standorten in den USA produziert. Speziell das Werk in Charleston an der amerikanischen Ostküste soll die stetig steigende Nachfrage befriedigen. Eröffnet wurde es im Herbst 2018, die Investitionssumme betrug rund 120 Millionen US-$. Entscheidend für die Standortwahl war neben der guten Infrastruktur die Nähe zu den Kunden. Mit dem hochmodernen und in weiten Teilen voll automatisierten Werk wurden inzwischen rund 50 neue Arbeitsplätze im Norden von Charleston geschaffen.

Reifenkunde

275 = Breite der Lauffläche in Millimetern (unbelastet), hier also 27,5 cm

55 = Höhe der Flanke (Abstand zwischen Laufstreifen und Felge) in Prozent der Laufflächenbreite. Hier also 27,5 × 0,55 = 15,1 cm

R(adial) 20: Durchmesser der Felge in Zoll; 20 × 2,54 cm = 50,8 cm

Durchmesser des Rades: Durchmesser Felge + (2 × Höhe Flanke) = 81,0 cm

Inside to get it right: Silica für die Reifenindustrie

Interview

Seit wann liefen die Planungen für den Neubau?
Seit 2013. Als wir unsere Dreijahresplanung abgeschlossen hatten und das Werk in Chester (Pennsylvania) voll ausgelastet war, hätten wir es nur noch einmal erweitern können. Für mehr war kein Platz.

Das ist in Charleston anders?
Ja, Charleston ist so konzipiert, dass wir weitere Werke danebensetzen können, wenn der Bedarf besteht. Die Konstruktionspläne hätten wir fertig in der Schublade.

Wie ist die Auslastung heute?
Wir erwarten, zum Jahresende über 50 Prozent zu liegen, und rechnen bis 2021 mit einer Vollauslastung. Das Marktwachstum ist beachtlich; seit 2008 hat sich der Markt für Silica in den USA etwa verdoppelt.

Die Zulassungszahlen sind doch nicht doppelt so hoch wie 2008.
Das nicht, aber der Trend zu größeren und schwereren Fahrzeugen hält in den USA an, und viele Autobesitzer achten darauf, beim Reifenwechsel an ihren Gebrauchtwagen leistungsfähigere, hochwertige und verbrauchssenkende Reifen zu montieren. Der Markt für Reifen an Gebrauchtfahrzeugen ist etwa viermal so groß wie der für Neuwagen.

SUV und Pick-ups: Ist das der Trend für die Zukunft?
Aktuell ja. Aber auch wenn sich Elektrofahrzeuge größere Marktanteile erkämpfen, sind wir dabei. Da unsere Kieselsäuren für Effizienz sorgen, erhöhen sie die Reichweite.