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Technology & Infrastructure

Gemeinsam sieht man besser

Mitarbeiter der Analytik von Technology & Infrastructure arbeiten direkt bei der Creavis und der Verfahrenstechnik. Der Effekt: schnellere Analysen mit höherer Qualität.

Marina Bergmann, Chemielaborantin bei der Creavis im Chemiepark Marl, zieht mit einer Pipette Proben aus einem gläsernen Schüttelkolben. In dem Kolben stecken Mikroben, die in einer Nährlösung gewachsen sind. Direkt nebenan bestücken Bioingenieurin Denise Westkamp und Chemielaborantin Karina Keßlau den Flüssigchromatografen mit den nötigen Laufmitteln für eine Analyse. Die beiden Analytikspezialistinnen von Technology & Infrastructure (TI) wollen prüfen, ob die Proben die gewünschten Produkte enthalten oder ob und in welcher Menge Nebenprodukte entstanden sind, die nicht gewollt sind. Die Wege hier im Biotechnologielabor der Creavis sind kurz. Ein großer Vorteil – für alle Beteiligten.

Das Kerngeschäft der Biotechnologieforschung ist die Entwicklung maßgeschneiderter Biokatalysatoren, die in großer Menge Chemikalien herstellen sollen. Zudem müssen die dafür passenden Bedingungen geschaffen werden. Ob die Mikroben ihre Aufgabe ordnungsgemäß erfüllen, lässt sich nur mit einer genauen Analyse klären. „Früher haben wir das selbst gemacht“, erinnert sich Steffen Schaffer, zu ständig für die Biokatalysator entwicklung bei der Creavis. „Wir sind aber Biotechnologieexperten, keine Analytiker.“ Grundsätzlich hätten die Analysen funktioniert, jedoch waren die verwendeten Methoden oft nicht ausreichend validiert, möglicher weise auch nicht ideal gewählt für die jeweilige analytische Fragestellung. Alternativ brachten die Biotechnologen ihre Proben zu den Analytikern im Chemiepark, etliche Hundert Meter von der Creavis entfernt. Dort gab es zwar das nötige Analytik-Know-how, jedoch fehlte der Bezug zum speziellen Forschungsgebiet Biotechnologie. So entstand die Idee, Mitarbeiter der Analytik direkt in den Labors der Creavis einzusetzen. „Die Analytiker haben in ihrem Fachgebiet einen ganz anderen Sachverstand“, betont Schaffer. Die Idee hat sich ausgezahlt: Heute haben die Analysen immer denselben Ablauf, die Ergebnisse sind zuverlässig und schnell zur Hand. Zudem gibt es eine direkte Kommunikation, schließlich arbeiten alle in denselben Räumen.

ECHTE DETEKTIVARBEIT

„Wir kennen auch Alternativmethoden“, zeigt Miriam Schwarzer, Leiterin Analytical On-site Service von TI, einen weiteren Vorteil auf. Das sei vor allem dann wichtig, „wenn wir eine Verbindung sehen, die wir nicht kennen“, ergänzt Schaffer. Da ist echte Detektivarbeit gefragt: Handelt es sich um eine organische Verbindung? Wie viele Kohlenstoffatome hat sie? Ist sie biologischen Ursprungs? Mithilfe der Massenspektrometrie und der Chromatografie wird die Struktur offengelegt. „Die Erkenntnisse können wir dann auch für andere Projekte nutzen“, erläutert Schwarzer. Entsprechende Datenbanken dafür wurden bereits eingerichtet.

GEBÜNDELTE EXPERTISE

Die Abteilungen Reaktions- und Polymertechnik sowie Fluid Processing der Verfahrenstechnik (VT) haben sich inzwischen ebenfalls für die direkte Zusammenarbeit mit der Analytik entschieden. Ein Team von Verfahrenstechnikern und Analytikern kümmert sich abteilungsübergreifend um Methoden, Geräte, Software, Schulungen und das VersuchsanalytikLabor. Die Experten der Betriebe sind ebenfalls im Boot, wenn sie dies wünschen. Die meisten Analysen und Auswertungen machen die Mitarbeiter des Technikums selbst. Bei Fragen oder Problemen hilft das Team. „Die Kolleginnen der Analytik bringen spezielles Wissen mit, das wir so in der Verfahrenstechnik nicht haben“, sagt Achim Lienke, Leiter des reak tionstechnischen Technikums in Marl. Etwa bei der Gerätewartung und der Methodenentwicklung. Miriam Schwarzer vom Analytical On-site Service packt auch selbst zum Handwerkzeug, wenn eine Messung keine passenden Ergebnisse liefert, schraubt, entfernt Verschmutzungen und prüft die Geräte auf Beschädigungen.

KRITISCHE MASSE

Die Verfahrenstechnik steuert Erfahrungen in anderen Bereichen bei, beispielsweise in der Onlineanbindung von Analysegeräten wie den Gaschromatografen, die direkt in den Anlagen eingebaut sind. Hinzu kommt Know-how in speziellen analytischen Methoden sowie der Geräte- und Auswerte-Software. „Zusammen haben wir die nötige kritische Masse, um vieles voranzubringen. Davon können auch andere Bereiche profitieren“, so Lienke. Das Vorgehen sorgt nicht nur für eine bessere Qualität, sondern auch für Fortschritte bei der Harmonisierung der Methoden. „Wir möchten künftig weniger Analyseverfahren einsetzen, um jederzeit vergleichbare Ergebnisse zu bekommen und damit letztlich auch Zeit zu sparen“, sagt Technikumsleiter Lienke. Sein Fazit der Kooperation: „Die Analytiker sind unsere Augen. Und für uns ist es entscheidend, dass wir genau hinsehen können.“