Suche
Digitalisierung

Blockchain- und Distributed-Ledger-Technologie

Teilen ist das neue Haben

Mit Blockchain- und Distributed-Ledger-Technologie machen Mitarbeiter der Evonik Digital GmbH komplexe Abläufe zwischen Lieferant, Spediteur und Kunde effizienter.

Der Verkauf von Industrieprodukten ist komplex. Schließlich wechselt nicht eine Stadion-Bratwurst den Besitzer. Stattdessen werden Prozessketten in Gang gesetzt, gespickt mit unzähligen Informationen – nicht nur bei der Bestellung und in der Produktion, sondern auch in Sachen Qualitätskontrolle, Logistik, Rechnungsprüfung oder Bezahlung. Das alles kostet Zeit - und Geld. Besonders deutlich wird das bei Geschäften zwischen Konzernen, wo Produkte wechselseitig bestellt, geliefert und abgerechnet werden. Pro Jahr stellen Evonik und manche Partner einander so gut 20.000 Rechnungen. Jede davon wird geprüft, Überweisungen werden getätigt, es fallen Gebühren an.

Mitarbeiter der Evonik Digital GmbH, der Finanzabteilung und IT möchten das ändern: Helfen soll die sogenannte Distributed-Ledger-Technologie (DLT). Bisher war fast jeder Vorgang ein Eins-zu-eins-Geschäft: zwischen Kunde und Lieferant, zwischen Lieferant und Spediteur sowie zwischen allen Beteiligten und ihrer jeweiligen Bank. DLT erlaubt es den Beteiligten, sämtliche Transaktionen in Echtzeit zu überblicken, indem diese gleichzeitig, einheitlich und für alle verbindlich auf allen Rechnern des Systems dokumentiert werden. Dieses Teilen von Informationen ermöglicht nicht nur bessere Abstimmung etwa in der Logistik, auch die Abrechnung wird effizienter.

Eine Zahlung pro Monat

Banken mit der Lizenz für elektronische Euros (e€) dürfen digitale Verrechnungen mittels DLT in Echtzeit durchführen. Kein IBAN-Überweisungsbeleg mehr, keine SWIFT-Transaktion, keine Wartezeiten, weil kein Geld mehr von Konten überwiesen wird, sondern Ansprüche von Lieferant und Kunde innerhalb des Systems gegenseitig verrechnet werden. Einmal im Monat wird dann die Gesamtdifferenz zwischen allen Rechnungen bezahlt. Mithilfe sogenannter Blockchain-Technologie werden DLT und die parallele Dokumentation aller Transaktionen besonders fälschungssicher. Die Technologie, die zuletzt vor allem als Basis für sogenannte Kryptowährungen von sich reden machte, sorgt dafür, dass alle Beteiligten immer auf dem aktuellen Stand sind und jede Manipulation sofort erkannt werden würde.

Blockchain kann aber noch mehr. Im Evonik-Werk Goldschmidtstraße zum Beispiel wird man den Prototyp einer „intelligenten Palette“ testen. Sie dokumentiert selbst, was die auf ihr befindliche Lieferung unterwegs „erlebt“. Sensoren an der Palette erfassen Standorte, Zeitstempel, Temperaturen oder Transportbedingungen. Die Daten werden per Blockchain für alle Beteiligten dezentral und fälschungssicher dokumentiert. Vorteil: Sobald die vorher definierten Bedingungen hinsichtlich Bereitstellung, Transport und Lagerung erfüllt sind, könnte das System selbstständig eine Rechnung erstellen – voll automatisiert, dank Blockchain fälschungssicher und für alle Beteiligten jederzeit zu 100 Prozent nachvollziehbar.