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Evonik schließt Übernahme von PeroxyChem erfolgreich ab

Evonik hat die Übernahme des US-Unternehmens PeroxyChem für 640 Millionen US-Dollar erfolgreich vollzogen.

Essen. Evonik hat die Übernahme des US-Unternehmens PeroxyChem für 640 Millionen US-Dollar erfolgreich vollzogen. Das zuständige Gericht in Washington D.C. hatte zuvor die Klage der Federal Trade Commission (FTC) gegen das Vorhaben abgewiesen. „Das ist ein sehr guter Tag für Evonik“, sagt Christian Kullmann, Vorstandsvorsitzender von Evonik. „Das Gericht hat in seiner Urteilsbegründung unsere Sicht des H2O2-Marktes und insbesondere den hohen Spezialitätenanteil im Portfolio von PeroxyChem bestätigt. Durch die Übernahme eröffnen wir uns nun vor allem im Markt für umweltfreundliche Desinfektionslösungen zusätzliches Wachstumspotenzial.“

US-Gericht weist Klage der amerikanischen Kartellbehörde FTC ab

Ende 2018 hatte Evonik eine Vereinbarung mit One Equity Partners zur Übernahme von PeroxyChem geschlossen. PeroxyChem ist ein Hersteller von Wasserstoffperoxid (H2O2) und Peressigsäure (PAA) und verfügt über eine starke Positionierung in hochmargigen Spezialanwendungen. Die zuständigen Kartellbehörden außerhalb der USA hatten der Transaktion zugestimmt. Die FTC hatte aber im August 2019 Klage gegen den Vollzug der Übernahme eingereicht.

Bruce Lerner, Vorstandsvorsitzender von PeroxyChem, freut sich über das Ende des Rechtsstreits: „Wir haben trotz der unklaren Lage ein starkes Geschäftsjahr 2019 erreicht und konnten in einem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld unseren Umsatz und unser Ergebnis weiter steigern“, sagt Lerner. „Durch die Kombination der beiden Geschäfte können wir mit unseren motivierten Mitarbeitern noch bessere Lösungen für unsere Kunden entwickeln.“

Im Geschäftsjahr 2019 hat PeroxyChem einen Umsatz von knapp 300 Mio. und ein bereinigtes EBITDA von über 64 Mio. US-Dollar erzielt (Geschäftsjahr 2018: Umsatz von rund 300 Mio. und bereinigtes EBITDA von rund 60 Mio. US-Dollar). Auch das Peroxid-Geschäft von Evonik hat 2019 einen positiven Geschäftsverlauf genommen. Die in den vergangenen Jahren eingeschlagene Strategie mit Fokus auf Spezialanwendungen wirkt sich auch dort zunehmend positiv aus. Das Geschäft konnte das Ergebnis und insbesondere die EBITDA-Marge im Jahr 2019 weiter steigern und liegt damit voll im Bereich des auf Konzernebene definierten Zielkorridors von 18 bis 20 Prozent.

Als kartellrechtliche Auflage wird der PeroxyChem-Standort in Prince George, British Columbia, zur gegebenen Zeit verkauft. Dort werden überwiegend H2O2-Standardprodukte produziert. Der hierauf entfallende Ergebnisanteil ist für PeroxyChem und damit auch für Evonik vernachlässigbar.

„Wir haben die Finanzkraft von Evonik durch den Verkauf unseres Methacrylat-Geschäfts im vergangenen Jahr gestärkt“, sagt Finanzvorstand Ute Wolf. „Nun investieren wir wie geplant einen Teil dieser Mittel in den gezielten Ausbau margenstarker und weniger zyklischer Geschäfte mit hohem Spezialitäten-Anteil und starkem Free Cashflow.“

Markt für umweltfreundliche H2O2- und PAA-Produkte wächst

Der Markt für H2O2 und PAA profitiert aktuell insbesondere vom Trend zu nachhaltigen Produkten und Lösungen. Wasserstoffperoxid ist eine umweltfreundliche, ressourceneffiziente Chemikalie, die im Anwendungsprozess lediglich zu Sauerstoff und Wasser zerfällt. Sie ist somit eine der reinsten und vielseitigsten Chemikalien, die auf dem Markt erhältlich sind. Vor allem der Bedarf an nachhaltigen Desinfektionslösungen treibt die Nachfrage an. Das H2O2- und PAA-Geschäft von PeroxyChem ist auf Endanwendungen im Umweltbereich, in der Lebensmittelsicherheit sowie der Elektronik- und Halbleiterindustrie ausgerichtet. Diese zeichnen sich durch eine geringe Zyklizität aus.

Auch vor diesem Hintergrund hat PeroxyChem im Jahr 2019 in Memphis, Tennessee (USA), eine Anlage zur Abwasseraufbereitung mit Hilfe von PAA erfolgreich in Betrieb genommen. Durch den langfristigen Liefervertrag mit der Stadt Memphis wird die Anlage schon ab dem Jahr 2020 einen stabilen Ergebnisbeitrag liefern. Die Investitionskosten für die Anlage wurden vollständig von PeroxyChem getragen. Der Kaufpreis erhöhte sich wie vertraglich vereinbart infolge der erfolgreichen und pünktlichen Umsetzung dieses Projekts auf 640 Millionen statt der ursprünglich angekündigten 625 Millionen US-Dollar.

Durch die gute Ergänzung der beiden globalen Geschäftsfelder rechnet Evonik unverändert mit Synergien in Höhe von 20 Millionen US-Dollar – vor allem im Bereich Produktion und Logistik, durch die Erweiterung der Produktportfolios und durch neue Technologien. Die Synergien sollen bis zum Jahr 2022 voll realisiert werden.

Der Kaufpreis (Enterprise Value) liegt inklusive Synergien bei dem 7,6-fachen des jährlichen bereinigten EBITDA, vor Synergien beim 9,9-fachen. Der Zukauf wird sich für Evonik bereits im Jahr 2020 positiv auf das bereinigte Ergebnis je Aktie und den Free Cashflow auswirken. Evonik wird die Beiträge von PeroxyChem ab dem Closing am 3. Februar 2020 vollständig konsolidieren.

Das erworbene Geschäft wird in das Segment Resource Efficiency integriert. Die Integration wird nun unverzüglich anlaufen.

Die Wurzeln von PeroxyChem reichen über 100 Jahre zurück. Das Unternehmen ist in Philadelphia, Pennsylvania, ansässig und beschäftigt weltweit etwa 600 Mitarbeiter. Die acht Produktionsstandorte liegen überwiegend in Nordamerika sowie darüber hinaus in Deutschland, Spanien und Thailand. Evonik verfügt in seinem Geschäftsgebiet Active Oxygens ebenfalls über jahrzehntelange Erfahrung in der Herstellung von Wasserstoffperoxid und verwandten Produkten. Das Unternehmen ist einer der größten Hersteller mit weltweit 13 Produktionsstätten.