Karriere

Dr. Stephanie Wohlgemuth

Die Strategie hinter der Chemie

Eigentlich wollte Dr. Stephanie Wohlgemuth nach der Promotion an der Universität bleiben. Jetzt arbeitet sie bei Evonik in der Konzernstrategie und stellt sich täglich neuen Herausforderungen. In der neuen "elements" erzählt sie ihre Geschichte.

Abwechslung gehörte schon immer zum Leben von Dr. Stephanie Wohlgemuth: Bis zu ihrer Promotion in Chemie in Potsdam hatte die in Saudi-Arabien geborene Tochter eines Deutschen und einer Indonesierin schon in fünf Ländern gelebt. „Mein Vater musste für seine Arbeit bei einem deutschen Automobilhersteller viel reisen. Wir haben ihn bei jeder Station begleitet und so immer wieder neue Menschen und Kulturen kennengelernt“, erklärt Wohlgemuth. „Eine Vielfalt, die ich nicht aufgeben wollte – auch nicht im Beruf.“

Daher tauschte sich die Chemikerin während ihrer Promotion am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung stets mit internationalen Forschern aus und nahm regelmäßig an Konferenzen und Workshops teil – ursprünglich mit dem Ziel, eine Wissenschaftskarriere an einer Universität in den USA zu beginnen. „Dass Chemie in der Industrie so spannend sein kann, konnte ich mir nicht vorstellen“, sagt Wohlgemuth.

Vom Gegenteil konnte Prof. Stefan Buchholz, bei Evonik verantwortlich für die strategische Innovationseinheit Creavis, sie bei einer Konferenz zum Thema nachhaltige Chemie überzeugen: „Wir kamen ins Gespräch, und ich war begeistert, wie viele Bereiche und Aufgabengebiete Evonik vereint“, erinnert sich die 30-Jährige. „Rund 4.000 Produkte und Aktivitäten in mehr als 100 Ländern rund um den Globus – das hat mich beeindruckt.“

Kurz darauf begann sie 2013 bei der Creavis ihre berufliche Laufbahn mit einem Trainee-Programm. „Für mich der perfekte Einstieg“, findet Wohlgemuth. Denn dort hatte sie durch zahlreiche Projekte die Möglichkeit, an der Schnittstelle zwischen langfristig orientierter Forschung und Geschäft mit den Segmenten von Evonik zusammenzuarbeiten und viele Kollegen kennenzulernen. Sie konzipierte unter anderem den ersten Workshop „Science to Business“, übernahm Verantwortungen im Projekthaus Composites sowie im strategischen Controlling und engagierte sich in der Weiterentwicklung der Creavis im Projekt Creavis 3.0.

Entscheidungen immer wieder hinterfragen

„Ich habe gelernt, wie spannend es ist, strategische Entscheidungen zu treffen“, sagt Wohlgemuth. „Die Frage, in welche Aktivitäten wir künftig investieren, stand bei der Creavis immer im Mittelpunkt: Womit bleiben wir marktfähig und können unsere Kunden weiterbringen?“ Keine leichte Aufgabe: Immer wieder mussten Entscheidungen hinterfragt und an das schnelllebige Marktumfeld angepasst werden. „Dadurch war kein Tag wie der andere“, sagt Wohlgemuth. „Die vielfältigen Themen und die Zusammenarbeit mit kreativen, hochtalentierten Kolleginnen und Kollegen haben mich sehr motiviert und inspiriert.“

Nach einem projektbezogenen Aufenthalt in Taiwan übernahm sie als Business Analyst bei der Creavis die marktseitige Betreuung diverser strategischer Forschungsprojekte. Aufgrund der engen Kooperation mit den Segmenten hätte als nächster Schritt die Arbeit in einem Segment nahegelegen. Doch für die Chemikerin tat sich eine andere Option auf – der Wechsel in die Konzernstrategie. Diese berät den Vorstand in Hinblick auf die übergreifende strategische Ausrichtung des Konzerns: Wie soll das Portfolio langfristig aufgestellt werden? Passt das Vorgehen der Segmente zur Gesamtstrategie des Unternehmens? Was ist nötig, um Evonik nachhaltig erfolgreich zu positionieren?

In dem Zentralbereich kümmert sich Wohlgemuth als Strategiereferentin der Abteilung Konzernstruktur & Funktionsstrategie unter der Leitung von Peter Friesen- hahn schwerpunktmäßig um die konzernstrategische Betreuung der Technology & Infrastructure GmbH (TI). „TI bündelt Infrastruktur- und Technologiedienstleistungen und leistet mit rund 8.000 Mitarbeitern einen elementaren Beitrag zum Unternehmenserfolg“, betont Wohlgemuth. „Als Rückgrat der operativen Chemiesegmente unterstützt TI durch verlässliche Services und innovative Technologien.“

In ständigem Dialog bleiben

Als Ansprechpartnerin und Schnittstelle zum Vorstand informiert Wohlgemuth diesen regelmäßig über Entwicklungen innerhalb TI, gibt Einschätzungen und spricht Empfehlungen aus. Gegenüber TI hat sie außerdem eine „Check & Balance“-Funktion, das heißt, sie tauscht sich regelmäßig mit den Kollegen aus und unterstützt beim Dialog mit dem Vorstand.

Dazu gehört auch einmal im Jahr der Strategiedialog von TI. Bei diesem Treffen diskutieren Vertreter von TI mit dem Vorstand, wie sie ihre Leistungen noch besser an den Kundenbedürfnissen ausrichten können und wie TI konzernübergreifend zum Erfolg beitragen kann. Die zentrale Herausforderung: Die Services müssen ihre Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz ständig weiterentwickeln und verbessern.

Ein strategisches Thema des Dialogs ist unter anderem Digitalisierung. Ein Beispiel im Bereich technische Services: vorausschauende Instandhaltung, auch Predictive Maintenance genannt. Hier geht es darum, Betriebs- und Maschinendaten zur Überwachung des übergeordneten Funktionszustands intelligent zu nutzen. Das Ziel: Anomalien, die kurz- oder mittelfristig zu ungeplanten Ausfällen führen könnten, erkennen und beheben. „Das erhöht die Anlagenverfügbarkeit, was zu geringeren Kosten und vor allem zu höherer Kundenzufriedenheit führt“, so Wohlgemuth.

Wenn die Chemikerin an ihre Auffassung während der Promotion zurückdenkt, muss sie schmunzeln. „Jetzt weiß ich, dass Chemie in der Industrie nie langweilig wird“, sagt Wohlgemuth. „Es gibt so viele Felder und Aufgaben, dass sich immer wieder neue, vielfältige Möglichkeiten ergeben.“ Wohin ihr Weg sie führt, weiß sie noch nicht; sie könnte sich einen Auslandsaufenthalt an einem anderen Standort von Evonik gut vorstellen. Nur eins steht für sie fest: „Meine Arbeit soll auch weiterhin so spannend und abwechslungsreich bleiben wie bisher.“