Quelle: izoca/Pixabay
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Publikationen

Geschichte der Desinfektion

Die Entdeckung der Bakterien

Bis zur Entdeckung der Bakterien um 1860 waren die Kenntnisse über Infektionskrankheiten gering. Doch schon die ersten medizinischen Desinfektionsversuche dieser Zeit erbrachten positive Resultate.

Der belgische Tuchhändler Antoni van Leeuwenhoek (1632-1723) ermöglichte der Menschheit den Blick auf eine neue Welt. Mit selbstgebauten Mikroskopen untersuchte er 1675 Teich- und Regenwasser und fand darin, was er als kleine Tierchen („Animalcula“) beschrieb: Protozoen und Bakterien. Später beobachtete er auch Mikroorgansimen in menschlichem Speichel und Zahnbelag. Offenbar ein einschneidendes Erlebnis: Leeuwenhoek begann seine Zähne mit Salz abzureiben und Bakterien mit Essigspülungen abzutöten.

Quelle: Rijksmuseum Amsterdam (CC-0-1.0)
Quelle: Rijksmuseum Amsterdam (CC-0-1.0)

Antoni van Leeuwenhoek (1623-1723) gilt als Entdecker der Bakterien

Trotzdem sollte es noch rund 200 Jahre dauern, bis auch die Bedeutung der Mikroorganismen als Krankheitsverursacher erkannt wurde. Stattdessen glaubten die Gelehrten jener Zeit weiter an die Theorie der Miasmen: Seuchen wurden demnach durch giftige Ausdünstungen aus dem Erdboden verbreitet.

Bakterien im Fokus der Medizin

Erst dem Chirurgen Ignaz Semmelweis (1818-1865) gelang 1847/1848 der Nachweis, dass die Übertragung von Krankheiten durch Desinfektion eingedämmt werden kann. Auf sein Betreiben hin wuschen sich die Ärzte der geburtshilflichen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien die Hände vor jeder Untersuchung mit Chlorkalklösung. Die Sterblichkeitsrate sank daraufhin von bis zu 30 % auf nur noch 1,3 %.

Der Mediziner Robert Koch (1843-1910) war der Erste, der systematisch nach Mikroorganismen suchte, die Krankheiten auslösen. Mit der Entdeckung des Tuberkuloseerregers (Mycobacterium tuberculosis), gelang es ihm schließlich, diesen Zusammenhang zu beweisen.

Louis Pasteur (1822-1895) entdeckte bei seinen Forschungsarbeiten die bakteriologischen Ursachen von Gärung und Fäulnis. Zudem entwickelte er das nach ihm benannte Verfahren der Pasteurisierung, um Lebensmittel durch kurzes Erhitzen zu desinfizieren und haltbar zu machen.

Joseph Lister (1827-1912), ein schottischer Chirurg, verwendete seit etwa 1865 erfolgreich Karbol zur Desinfektion von Wunden vor der Operation.

Die öffentliche Gesundheitsvorsorge entsteht

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erkannten Regierungen schließlich die Notwendigkeit zum systematischen Aufbau einer öffentlichen Gesundheitsfürsorge. Um Krankheiten den Nährboden zu entziehen, wurden Unrat und Abwässer in Städten beseitigt und der Versorgung mit sauberem Trinkwasser mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden in der Medizin Sterilisatoren, Sterilgüter und Desinfektionsmittel für Hände und Wunden vermehrt eingesetzt.

1892 kam es zum letzten großen Choleraausbruch in Deutschland. Durch Wasser, das aus der Elbe entnommen und ungefiltert als Trinkwasser benutzt wurde, infizierten sich rund 17.000 Hamburger, mehr als 8.600 starben. Die Medizinalbehörde verteilte Zettel mit Verhaltensregeln, Fasswagen verteilten abgekochtes Wasser, Garküchen boten auf öffentlichen Plätzen bakterienfreie Mahlzeiten an. Mit verschiedenen Chemikalien wie Chlorkalk, Karbol, Lysol und Kreolin wurden Straßen und Häuser desinfiziert.