Innovation

Circular Plastics

Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft

In einem globalen Programm bündelt Evonik nun die Expertise rund um das Thema „Circular Plastics“. Der Leiter des Programms, Patrick Glöckner, erklärt im Interview, warum das Thema für Evonik Zukunft hat und welche Lösungen das Spezialchemieunternehmen schon heute anbietet.

Herr Glöckner, als Spezialchemieunternehmen produziert Evonik Hochleistungspolymere, keine Massenkunststoffe. Warum braucht ausgerechnet Evonik das nun gestartete globale Programm „Circular Plastics“?

Patrick Glöckner: Kunststoffe sind vielen anderen Materialien deutlich überlegen, daher wachsen Einsatz und Mengenverbrauch weiterhin stetig. Allerdings sind auch die Folgen des achtlos weggeworfenen Plastiks unübersehbar. Weil wir die Lösungen für die damit verbundenen Herausforderungen haben, bündeln wir bei Evonik nun die Expertise rund um das Thema Circular Plastics in einem globalen Programm. Dabei geht es uns zum Beispiel um die Effizienz des Rezyklier-Prozesses oder das Herstellen von Kunststoff-Rezyklaten zu wettbewerbsfähigen Kosten und Qualität. Ich bin fest davon überzeugt, dass Evonik einen entscheidenden Beitrag zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft leisten kann – und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Sie leiten das globale Circular-Plastics-Programm. Was treibt sie dabei an?

Patrick Glöckner: Die Leitung des Programms ist für mich Herausforderung und Leidenschaft zugleich. Ich bin Polymer-Chemiker und seit 2001 bei Evonik, zuletzt war ich für den Aufbau branchenübergreifender Kooperationen mit strategischen Innovationspartnern verantwortlich. Brücken zu bauen und Partnerschaften zu initiieren, meine Netzwerke nutzen und für alle gewinnbringend einsetzen – das macht mir große Freude. Eine Circular Economy kann nur etabliert werden, wenn wir Akteure verschiedenster Branchen zusammenbringen und über Unternehmensgrenzen hinweg kooperieren. Und genau dieser Herausforderung stelle ich mich nun.

Patrick Glöckner ist der neue Leiter des Circular-Plastics-Prgramm bei Evonik: Der Polymer-Chemiker ist seit 2001 im Konzern tätig. Zuletzt war er für den Aufbau branchenübergreifender Kooperationen mit strategischen Innovationspartnern verantwortlich.
Patrick Glöckner ist der neue Leiter des Circular-Plastics-Prgramm bei Evonik: Der Polymer-Chemiker ist seit 2001 im Konzern tätig. Zuletzt war er für den Aufbau branchenübergreifender Kooperationen mit strategischen Innovationspartnern verantwortlich.

Die Herausforderungen sind in der Tat vielfältig: schlechte Rezyklierbarkeit von Verbundkunststoffen, Rohstoffverfügbarkeit, fehlende Sortenreinheit bei den Plastikabfällen, um nur einige zu nennen. Welche Lösungen kann die Spezialchemie anbieten? Welche (Produkt-)Beispiele liefert Evonik?

Patrick Glöckner: Wir engagieren uns bei unterschiedlichen Recyclingtechnologien zum mechanischen und chemischen Recycling. Wir haben Prozesse zum chemischen Recycling entwickelt, womit aus der PET-Verpackung wieder die Monomere, also die Grundbausteine, zurückgewonnen werden können. Daraus lassen sich dann neue Polymere für PET-Flaschen oder für andere Anwendungen herstellen und natürlich gibt es jede Menge Potenzial in der Entwicklung von Anwendungen für Kunststoffe. Um nur einige Beispiele zu nennen: Evonik hat Additive im Portfolio, die etwa besonders kosteneffizientes mechanisches Recycling ermöglichen und die Qualität der Rezyklate deutlich verbessern helfen. Und die Qualität zu verbessern bedeutet, weitere, hochwertige Anwendungen zu ermöglichen. So lassen sich Farbe und Geruch von Rezyklaten aus Verpackungen reduzieren, was den Einsatzbereich deutlich steigert. Mit unseren Additiven und Prozess-knowhow kann das Gummi (Rubber) von Altreifen als Bestandteil im Straßenbau oder in Schuhsohlen eingesetzt werden, anstatt die Reifen zu verbrennen.

Circular Plastics sind für Evonik also ein Zukunftsthema. Wie wollen Sie das Thema angehen?

Patrick Glöckner: Für uns ist das ein echtes Zukunftsthema, das wir auf unterschiedlichen Ebenen noch gezielter bearbeiten: der Einsatz nachhaltiger Rohstoffe zur Herstellung unserer eigenen Produkte, die Entwicklung neuer Recycling-Technologien, das Hinterfragen bestehender Produktionswege und Inhaltsstoffe entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Spezialchemie verfügt über das Know-How, um Zirkularität zu ermöglichen, sei es beim mechanischen, chemischen oder beim Rubber-Recycling.

Warum sind Kunststoffe besser als ihr Ruf?

Patrick Glöckner: In vielen Anwendungen sind die Eigenschaften von Kunststoffen unerreicht. Oftmals sind es deren Eigenschaften, die eine Anwendung überhaupt erst ermöglichen, etwa wenn es um Effizienz geht. Denken Sie an den Leichtbau, der das Gewicht von Fahrzeugen deutlich reduziert, damit weniger Kraftstoff benötigt wird und folglich die CO2-Emissionen sinken. Polyurethanschäume in Häuserfassaden sind großartige Dämmmaterialien und helfen beim Temperaturmanagement im Wohnbereich. Oder Windkraftanlagen: Diese könnten ohne Hochleistungskunststoffe nicht so effizient Strom generieren – und das bei höchster Haltbarkeit gegenüber Wind und Wetter. Haltbarkeit ist ein ganz entscheidender Faktor, wenn wir über Zirkularität nachdenken, denn was länger hält, wird länger nicht zu Abfall.

Mit einem neu gestarteten globalen Programm bündelt Evonik erstmals alle Aktivitäten rund um das Thema „Circular Plastics“ und baut die Netzwerke entlang der gesamten Wertschöpfungskette weiter aus. Das Ziel: von der linearen zur zirkulären Wirtschaft. Die chemische Industrie ist ein Schlüsselsektor, dessen Innovationskraft notwendig ist, um neue Stoffkreisläufe in einer zirkulären Wirtschaft zu gestalten und neben der Veränderung eigener Wertschöpfungs- und Produktionsketten anderen Sektoren zu helfen, Kreisläufe zu schließen. Dieser Herausforderung stellt sich Evonik nun unter der Leitung von Patrick Glöckner. Im Fokus stehen neue Wege und Konzepte für die Herstellung von Kunststoffen, für die Rohstoffe und das Recycling.